Boosting Flexibility + Sustainability In The Office World

Die Welt braucht Sharing

Tobias Wagner

Dr. Tobias Wagner auf www.medium.com

Modern Work versus traditionelles Büroangebot

In einer sich stetig wandelnden Welt wollen und können immer weniger Menschen und Unternehmen ein langfristiges Flächenobligo eingehen: Der Bedarf an räumlich und zeitlich flexiblen Büroflächen ist riesig, der Büromarkt jedoch durch langfristige, komplexe Mietverträge starr. Flächen sind fast nie „Maßanzug“ — selten zum Zeitpunkt der Anmietung und noch seltener über die Zeit: Unternehmen, Organisationen und Geschäfte ändern sich, die Räumlichkeiten atmen nicht mit. Nötig ist ein umfassendes, kosteneffizientes Angebot an zeitlich und räumlich flexiblen Flächen — überall da, wo, und immer dann, wenn Workspaces gebraucht werden.

Neubau — der Sondermüll von morgen — kann dies nicht leisten, schon gar nicht nachhaltig, man denke nur an Flächenversiegelung, zugehörigen Straßenbau und Verkehrsintensivierung. Auch die Coworking-Betreiber können den Bedarf nicht bedienen, wenngleich sie einen wertvollen Beitrag für die Flexibilisierung von Büros liefern. Ihr Geschäftsmodell besteht darin, zumeist längerfristig angemietete Workspaces angereichert um Services mit Aufschlag weiterzuvermieten — dies vor allem an Personen bzw. Firmen, die mit anderen in den Räumlichkeiten zusammenarbeiten wollen. Das Raumkonzept der Coworking-Betreiber folgt der Logik, möglichst viel zahlende Kunden in der Fläche zu versammeln, ist in der Regel vergleichsweise hochpreisig und zwangsläufig auf wenige Standorte, zumeist in größeren Städten beschränkt. Zudem bestimmt der Coworking-Betreiber alleine, wer in seine Flächen einziehen darf. Der Mieter hat kein Mitsprache- oder Auswahlrecht.

Die globale Herausforderung

Die Weltbevölkerung wächst in den nächsten 30 Jahren um 2,5 Mrd. Die Versorgung der Arbeitswelt mit ausreichend und passenden Flächen ist eine Herausforderung. Gebäude sind für 40% des Weltenergieverbrauchs verantwortlich. Flächenversiegelung, Verkehrsinfarkt, Klimawandel zählen zu den größten Problemen unserer Zeit. Real Estate steht für über 50% des globalen Vermögens. Flächen sind wertvoll und Kostentreiber und Produktivitätshebel zugleich und mitentscheidend dafür, ob wir die Klimaschutzziele, insbesondere die notwendige Senkung der Treibhausgase zur Eindämmung der Erderwärmung erreichen.

Enormes Potential: Bestandsflächen nicht ausgelastet

Der Schlüssel zur Lösung der genannten Herausforderungen? Die bereits vorhandenen Flächen (ob Eigentum oder angemietet) in ihren Leerzeiten verfügbar machen und am Markt intensiver auslasten! Büros, Arbeitsplätze, Konferenz-, Meeting- und Schulungsräume sind in der Regel nicht 24/7 belegt, sondern im Schnitt bis zu 50% der Zeit ungenutzt. Z.B. aufgrund Leerstand, Teilzeitarbeit, Out-off-Office-Days, zu viel Platz. Und bereit für plug & work. Über 500 Millionen qm allein in Deutschland. Ein Vielfaches davon weltweit.

Sharing als Lösung: Office as a Service

Die Sharing Economy steht für bewussteres, ressourcenschonendes Nachfrageverhalten: die gemeinsame, temporäre Inanspruchnahme (Collaborative Consumption). Enabler ist das Web. Es ermöglicht eine enorme Reduktion des Transaktionsaufwand des Teilens und nicht selten der Kosten der Nutzung selbst. Auf dem Sharing-Konzept aufbauende Plattformen wie z.B. www.shareyourypace.com ermöglichen dies im Büromarkt durch die Vernetzung von Flächenbesitzern und Flächennachfragern, strukturierte Suchen, einfache Präsentations-, Anfrage-, Buchungs- und Bezahlprozesse, mobilen Zugriff, Lokalisierung und Umgebungssuche. Das Ergebnis: Durch Sharing wird Flexibilität in Büro- und Arbeitswelten gebracht.

Darüber hinaus wird der denkbar stärkste Hebel für mehr Nachhaltigkeit in der Immobilienwirtschaft bewegt — Flächen werden besser ausgelastet, Ressourcen und Umwelt geschont.

Kultur- und Wertewandel als Treiber

Sharingtreiber ist auch ein Kultur- und Wertewandel: Nutzen statt Besitzen, Nachhaltigkeit und Be Social stehen im Vordergrund. Teilen an sich ist natürlich keine Innovation — es gehört immer schon zum Alltag, ist Wesen von Nachbarschaftshilfe, Mitfahrzentralen, Bibliotheken, Gebot von Glaubenslehren, eine echte Herausforderung in der Kindererziehung und im Übrigen ein unbestreitbar netter Wesenszug des Menschen. Im Fokus der Share Economy steht aber nicht das nach Teilung nur noch halb so große Pausenbrötchen, das der Spender gerne selbst ganz gegessen hätte. Sharing steht heute für neues, verändertes Nachfrageverhalten: die gemeinsame, temporäre Inanspruchnahme (Collaborative Consumption). Übersetzt in die Immobilienwirtschaft: höherer Flächenauslastungsgrad gleich effizientere Ressourcennutzung gleich weniger Immobilie für das gleiche Ergebnis. Positiv verstärkend sind Interaktionen mit Menschen („From strangers to friends“) und Communityerlebnis. Sharing is social! Zunehmend auch: Business is social! Nicht zuletzt ist für die Beteiligten das wirtschaftliche Argument stark: Save money, get money!